The Allround Swing - Schaustellerbetriebe Wild

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The Allround Swing
Als vor einigen Monaten der Artikel über den "Allround" der Firma Klaus in der "Kirmes Revue" erschienen war, wurden wir auf dem Hersbrucker Weihnachtsmarkt darauf angesprochen, daß die kleinere Version dieses Types gar nicht erwähnt worden sei. Kleiner Version des Allround? Neugierig geworden, begannen wir mit der Spurensuche und fanden bald eine Art Kompaktversion mit dem Namen "The Allround Swing". Betreiber dieses Rundfahrgeschäftes ist der in Erlangen beheimatete Schausteller Jürgen Wild.
Die Geschichte dieses Karussells, das von seiner Herstellerfirma ursprünglich unter den Namen "Trabant" entwickelt worden war, beginnt 1966 in den Werkstätten der Firma "Nijmeegs Lasberijf" aus Nijmeegen/Holland. Laut Baubuch wurden die Konstruktionspläne des Mittelbaus (mit graphischer Kräfte- und Schwerpunktsermittlung) Ende 1966, der Rest (Podium, Gondelkonstruktion) Anfang 1967 erstellt. Die Auslieferung erfolgte im April 1967, allerdings unter den Namen "The Allround Swing" - vermutlich des damaligen "Swing"-Trends wegen. Erstbesitzer war die Firma Endres aus Worms. "The Allround Swing" von 1967 betreibt heute die Familie Wild.
Das Geschäft hat einen Durchmesser von nur 15m und erreicht eine Flughöhe von circa 8m. Für Anlaufstrom werden 80A angegeben beziehungsweise der Anschlußwert 40 kW. Seine zwölf im typischen 60er Jahre-Look gestalteten Gondeln fassen 24 Personen, und damit erreicht das Karussell eine mögliche Kapazität von circa 600 Personen pro Stunde. Die Gondeln ähneln denen der Schlickerbahn: während beim "Allround" die Beine frei nach unten baumeln, befinden sich bei "The Allround Swing" die Beine der Passagiere innerhalb der Gondel.
Zunächst beginnt sich der Hauptdrehkranz mit den darunter hängenden Gondeln zu drehen. Nach Erreichen seiner Drehzahl (19 U/min) fängt der Mittelbau an, in entgegengesetzter Richtung mit kleinerer Drehzahl (8 U/min) zu rotieren. Sind die Enddrehzahlen erreicht, wird der Hubarm mit dem darauf befindlichen Hauptdrehkranz in 20 Sekunden um 35° angehoben. Durch die entgegengesetzten Drehungen und das Anheben entsteht eine Exenterfahrweise, die an den Hully Gully oder den "Fliegenden Teppich" der Firma Höpler erinnert. Das Abbremsen der beiden Drehbewegungen erfolgt nach dem Absenken des Hubarmes gleichzeitig. 
Um einen sicheren Stand zu gewährleisten, wird der Karussell-"Koloß" an acht (!) Stellen abgestützt, was bei einem Geschäft mit diesen Ausmaßen und der doch sanften Fahrweise sehr viel ist. Die Bezeichnung "Koloß"ist wegen der Größe der Anlage einerseits ironisch zu lesen, aber anderseits leider auch treffend, denn "The Allround Swing" wird mit vier (!) Transportanhänger umgesetzt: Mittelbau, Gondel-, Podium- und Kassenwagen.
Die Firma Endres betrieb dieses Geschäft bis Ende 1971 und verkaufte es dann an die Firma Ertinger, die allerdings nur eine Saison damit reiste. Auch der neue Betreiber Otmar Till behielt den "Allround Swing" nur bis 1974 /zwei Jahre). Von 1974 bis 1982 wurde das Geschäft von der Firma Schramm aus Schauenstein betrieben, die bis zu diesen Zeitpunkt den Allround Swing"-Besitzrekord - acht Jahre - hielt. Übertroffen wurde sie dann von vom jetzigen Besitzer Jürgen Wild, der das Geschäft seit 1982 mit Erfolg betreibt. 
Leider sind die ganz großen Tage dieses Unikats bereits vorbei, aber auf diversen Kirchweihen und kleineren Volksfesten im fränkischen Raum (etwa in Schwabach, Reichenschwand oder Plech) ist dieser Karussellveteran noch in voller Aktion zu bewundern. Die Fahrweise ist bis heute sehr beliebt, und volle Gondeln sind bei Jürgen Wild deshalb keine Seltenheit. Hinter seinen großen "Allround"-Bruder braucht sich der "Kleine" wirklich nicht zu verstecken. Frühere Besitzer haben sich vor einigen Jahren bei Wild erkundigt, ob das Geschäft nicht erneut zum Verkauf stünde, da sie es gerne wieder selbst betreiben würden. Aber auf die Frage gab er nur zur Antwort:" Nee, nee, das Gerät kann bei mir alt werden, sehr alt sogar. "Interessanterweise existiert dieser exotische Karusselltyp parallel in beiden Hälften des damals geteilten Deutschland, denn etwa zur gleichen Zeit wie das eben beschriebene Exemplar erhielt auch die "Abteilung Volksfesteinrichtungen" des von Ost-Berlin aus operierenden Staatszirkus der DDR ein solches Geschäft, von dem holländischen Hersteller.
von Michael Schottenloher Quelle: Kirmes Ausgabe 6/97
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