Schausteller-Wild


Direkt zum Seiteninhalt

Schausteller

Zeitungssplitter

Übersicht:
Kirwa in Plech 2003 (Quelle: Nordbayerischer Kurier) 
Kirwa in Betzenstein 2000 (Quelle: Pegnitz Kurier) 
The Allround Swing
(Quelle: Kirmes, Ausgabe 6/97) 
Splitter vom Berg 96 (Quelle:Erlanger Tageblatt)

Nordbayerischer Kurier Samstag(Sonntag, 6./7. September 2003

Schon Opa und Oma saßen auf den Pferden
Seit mittlerweile 50 Jahren macht das Kirchweihkarussell der Familie Wild in Plech und Betzenstein schon Station

BETZENSTEIN/PLECH

Sprichwörtlich mit Kind und Kegel verlegt die Schaustellerfamilie Wild mit Karussell, Schießbude, Losbude und Süßigkeiten-stand ihren Standort von der Plecher Kirwa in die Nachbarstadt, wo am kommenden Wochenende Kirwa gefeiert wird.Kaum zu glauben, aber diese Tradition gehört seit 50 Jahren ohne Unterbrechung zur Plecher und Betzensteiner Kirchweih. Wenn dann am Samstag und Sonntag die Kleinen ihre Runden auf den weißen, schwarzen oder braunen Pferden drehen, braucht sich also niemand zu wundern, wenn auch die Augen der Oma, des Opas oder der Eltern zu glänzen beginnen.


Seit genau 50 Jahren kommt die Schaustellerfamilie Wild zu den Kirchweihen in Plech und Betzenstein. Foto: Escher

Nicht selten erinnern sie sich nämlich daran, selbst auch schon als stolze Reiter oder im Feuerwehrauto auf dem selben Karussell ihre Kreise gezogen zu haben. Nur die alte Lochkartenorgel, die viele Kinder und Erwachsene in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckte, wurde mittlerweile durch eine modernes Gerät ersetzt.Wegen der imposanten Pferde hat das Karussell wohl von den alten Plechern den Namen "Reitschule" erhalten. Seniorchefin Inge Wild sitzt wie vor Jahren im Kassenhäuschen, um die Karussellchips zu verkaufen. Sie erinnert sich noch genau an die vielen Jahre. Die Eltern von Inge und Hans Wild hatten nach dem Krieg den Plecher Festplatz von dem damaligen Schausteller Brösammler übernornmen.Seitdem (also noch viel länger als das Karussell) gehören Inge und Hans Wild zur Plecher Kirchweih – selbst ständig mit einem eigenen Süßwarenstand seit 1948. Kurz danach kam die Schießbude und 1952 das eigene Karussell. Fast genau so lange übrigens besuchen die beiden die Betzensteiner Kirwa. Auch an das große Plecher Heimatfest 1957 kann sich Inge Wild noch gut erinnern, als die Schießbude "unten beim Uhrmacher" stand.In früheren Jahren waren die beiden Schausteller mit einem riesigen, von Hans Wild selbst gebauten Wohnwagen unterwegs. Die acht Meter lange und zweieinhalb Meter breite Luxuswohnung auf Rädern hatte vier Zimmer mit Bad. Heute kommt die Schaustellerfamilie (mittlerweile sind auch die zwei Kinder und fünf Enkel mit von der Partie) mit moderneren Wohnwagen oder Wohnmobilen.Während Hans Wild aus Tradition in das Schaustellergeschäft einstieg sein Vater und sein Großvater besaßen schon Karussells kam Inge Wild zufällig dazu. Ihre Eltern hatten eine Metzgerei, und ein Schausteller hatte beim Vater solch hohe Schulden, dass er nur noch sein Fahrgeschäft eine Gesellschaftsschwenke opfern konnte. Um das verlorene Geld wieder hereinzubekommen, entschloss sich der Metzger kurzerhand, auf große Fahrt zu gehen.Seine Familie nahm er dabei natürlich mit, und fünf seiner zehn Kinder unter ihnen auch Inge Wild kamen nicht mehr von der Faszination los. jedesmal freut sich Inge Wild, wenn ihr Karussell wieder die Runden dreht und die Kinder auf den Pferden ebenso glänzende Augen bekommen wie die zurückdenkenden Erwachsenen, die ihren Kleinen nachschauen
ke

zuück zur Übersicht

Das Betzensteiner Kirchweihgeschehen spielt sich heuer wieder rund um den Marktplatz ab. Die Schaustellerfamilie Wild sorgt dafür, dass jung und jung gebliebene Betzensteiner kommen. Daneben bieten die Gastronomen ihre bekannten Kirchweihspezialitäten an.Erstmals organisiert die Feuerwehr eine "Kirwa im Pfister-Stodl", die bereits am Samstagabend beginnt. Ab 18.00 Uhr werden die Gäste mit warmer Kirwaküche im Hofraum des Gasthauses Zum Hinteren Tor verwöhnt. Am Sonntagnachmittag ab 14.00 Uhr erwartet die Gäste im Pfisters-Stodl in der Schlossstraße Kaffee und Kuchen und am Abend gibt es wieder fränkische Kirwaküche.



Hans und Inge Wild vor ihrem Schmuckstück. Seit 70 Jahren drehen die hübschen Holzpferde ihre Runden auf dem liebevollen hergerichteten Karussell.
Mit im Bild Christian, mit fünf Jahren der jüngste Nachwuchs der Schaustellerfamilie und Sohn Jürgen, der mittlerweile das Karussell leitet. Foto: Escher

An beiden Tagen unterhalten Musikanten mit zünftiger Kirwamusik. Wer "schärfere Sachen" gerne mag, kann sich in die Bar zurückziehen. Am Samstagnachmittag ab 16.00 Uhr stellt die Kirwajugend beim Landgasthof Herbst einen Kirwabaum auf. Wenn sich spontan genügend "Mutige" finden, soll der Kirwabaum am Sonntag schließlich auch ausgetanzt werden.


Seit 50 Jahren

Seit mehr als 70 Jahren "traben" die braunen, weißen und schwarzen Holzpferde im Kreis. Fröhliche Kinderaugen glänzen, Karussellmusik und hin und wieder eine Stimme über Lautsprecher sind zu hören. Die Stimme gehört zu Inge Wild, die mit ihrem Mann Hans seit über 50 Jahren zur Kirchweih in Betzenstein Stadion macht. "Wir erfreuen schon die dritte Generation der Kinder aus Plech und Betzenstein", erzählt sie. Aber weder dem jedes Jahr wieder sauber herausgeputzten Karussell, noch seinen Besitzern sind die über 70 Jahre anzusehen.Selbst erwachsene Kirchweihbesucher kennen Inge Wild so wie vor 20, 30, oder 50 Jahren, auch wenn ihr mittlerweile das Gehen Jahr für Jahr schwerer fällt. Gleich nach dem Krieg, so erzählt die Schaustellerin, lösten die Eltern den Schausteller Brösammler ab. Hans und Inge Wild halfen zunächst im Familienbetrieb mit, danach machten sie sich mit einem Süßigkeitenstand und einer Schießbude selbstständig. 1952 kam das eigen Karussell. Mit der Zeit schaffte man weiter Attraktionen an.In den letzten Jahren zogen sich Hans und Inge Wild nach und nach auf das wohlverdiente Altenteil zurück und übergaben die Verantwortung in die Hände ihrer Kinder. "Nur noch die Losbude gehört uns", merkt Inge Wild mit Wehmut, aber auch mit Zufriedenheit an. Das Karussell betreibt Sohn Jürgen und auch Tochter Gabi ist mittlerweile selbstständig. Erstmals ist im Korso der drei Schaustellerfamilien beispielsweise heuer die Kindereisenbahn in Betzenstein dabei, die die Tochter hinzukaufte. Mit dabei auf den rund zwölf Kichweihen sind auch die fünf Enkel im Alter von sechs bis 15 Jahren und es wäre schon höchst verwunderlich, wenn nicht der eine oder andere die Tradition der Schaustellerfamilie weiter erhalten würde.

(ke)

zuück zur Übersicht

 


The Allround Swing

Als vor einigen Monaten der Artikel über den "Allround" der Firma Klaus in der "Kirmes Revue" erschienen war, wurden wir auf dem Hersbrucker Weihnachtsmarkt darauf angesprochen, daß die kleinere Version dieses Types gar nicht erwähnt worden sei. Kleiner Version des Allround? Neugierig geworden, begannen wir mit der Spurensuche und fanden bald eine Art Kompaktversion mit dem Namen "The Allround Swing". Betreiber dieses Rundfahrgeschäftes ist der in Erlangen beheimatete Schausteller Jürgen Wild.Die Geschichte dieses Karussells, das von seiner Herstellerfirma ursprünglich unter den Namen "Trabant" entwickelt worden war, beginnt 1966 in den Werkstätten der Firma "Nijmeegs Lasberijf" aus Nijmeegen/Holland. Laut Baubuch wurden die Konstruktionspläne des Mittelbaus (mit graphischer Kräfte- und Schwerpunktsermittlung) Ende 1966, der Rest (Podium, Gondelkonstruktion) Anfang 1967 erstellt. Die Auslieferung erfolgte im April 1967, allerdings unter den Namen "The Allround Swing" - vermutlich des damaligen "Swing"-Trends wegen. Erstbesitzer war die Firma Endres aus Worms. "The Allround Swing" von 1967 betreibt heute die Familie Wild.Das Geschäft hat einen Durchmesser von nur 15m und erreicht eine Flughöhe von circa 8m. Für Anlaufstrom werden 80A angegeben beziehungsweise der Anschlußwert 40 kW. Seine zwölf im typischen 60er Jahre-Look gestalteten Gondeln fassen 24 Personen, und damit erreicht das Karussell eine mögliche Kapazität von circa 600 Personen pro Stunde. Die Gondeln ähneln denen der Schlickerbahn: während beim "Allround" die Beine frei nach unten baumeln, befinden sich bei "The Allround Swing" die Beine der Passagiere innerhalb der Gondel.Zunächst beginnt sich der Hauptdrehkranz mit den darunter hängenden Gondeln zu drehen. Nach Erreichen seiner Drehzahl (19 U/min) fängt der Mittelbau an, in entgegengesetzter Richtung mit kleinerer Drehzahl (8 U/min) zu rotieren. Sind die Enddrehzahlen erreicht, wird der Hubarm mit dem darauf befindlichen Hauptdrehkranz in 20 Sekunden um 35 angehoben. Durch die entgegengesetzten Drehungen und das Anheben entsteht eine Exenterfahrweise, die an den Hully Gully oder den "Fliegenden Teppich" der Firma Höpler erinnert. Das Abbremsen der beiden Drehbewegungen erfolgt nach dem Absenken des Hubarmes gleichzeitig.Um einen sicheren Stand zu gewährleisten, wird der Karussell-"Koloß" an acht (!) Stellen abgestützt, was bei einem Geschäft mit diesen Ausmaßen und der doch sanften Fahrweise sehr viel ist. Die Bezeichnung "Koloß"ist wegen der Größe der Anlage einerseits ironisch zu lesen, aber anderseits leider auch treffend, denn "The Allround Swing" wird mit vier (!) Transportanhänger umgesetzt: Mittelbau, Gondel-, Podium- und Kassenwagen.
Die Firma Endres betrieb dieses Geschäft bis Ende 1971 und verkaufte es dann an die Firma Ertinger, die allerdings nur eine Saison damit reiste. Auch der neue Betreiber Otmar Till behielt den "Allround Swing" nur bis 1974 /zwei Jahre). Von 1974 bis 1982 wurde das Geschäft von der Firma Schramm aus Schauenstein betrieben, die bis zu diesen Zeitpunkt den Allround Swing"-Besitzrekord - acht Jahre - hielt. Übertroffen wurde sie dann von vom jetzigen Besitzer Jürgen Wild, der das Geschäft seit 1982 mit Erfolg betreibt.Leider sind die ganz großen Tage dieses Unikats bereits vorbei, aber auf diversen Kirchweihen und kleineren Volksfesten im fränkischen Raum (etwa in Schwabach, Reichenschwand oder Plech) ist dieser Karussellveteran noch in voller Aktion zu bewundern. Die Fahrweise ist bis heute sehr beliebt, und volle Gondeln sind bei Jürgen Wild deshalb keine Seltenheit. Hinter seinen großen "Allround"-Bruder braucht sich der "Kleine" wirklich nicht zu verstecken. Frühere Besitzer haben sich vor einigen Jahren bei Wild erkundigt, ob das Geschäft nicht erneut zum Verkauf stünde, da sie es gerne wieder selbst betreiben würden. Aber auf die Frage gab er nur zur Antwort:" Nee, nee, das Gerät kann bei mir alt werden, sehr alt sogar."Interessanterweise existiert dieser exotische Karusselltyp parallel in beiden Hälften des damals geteilten Deutschland, denn etwa zur gleichen Zeit wie das eben beschriebene Exemplar erhielt auch die "Abteilung Volksfesteinrichtungen" des von Ost-Berlin aus operierenden Staatszirkus der DDR ein solches Geschäft, von dem holländischen Hersteller.

von Michael Schottenloher Quelle: Kirmes Ausgabe 6/97


zuück zur Übersicht


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü